Wie erzählt der Film im 21. Jahrhundert Heiligengeschichten? Eines der großen Projekte des modernen und postmodernen Bewusstseins und seiner Kunst ist, außerhalb der Dogmen großer Erzählungen wieder neue Formen von Beziehungen der Menschen auf Götter und andere Formen transzendenter Wirklichkeit zu erproben. „Der Ornithologe“ führt direkt an die formalen Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Erzählung.
Die Zuschauer des Films werden eingeladen mit demselben genauen Blick auf die Vogelwelt im Norden Portugals zu schauen, wie auf die Ereignisse der Transformation des Ornithologen zum Heiligen: Der Vogelliebhaber Fernando (Paul Hamy) gerät beim Beobachten von Vögeln in den Steilwänden an den Rändern eines Flusses mit seinem Kajak in Stromschnellen, kentert und verliert das Bewusstsein. Die chinesischen Pilgerinnen Ling und Fei, die sich vom Jakobsweg in den Norden Portugals verirrt haben, retten ihm das Leben. In der Nacht führt er mit ihnen ein Streitgespräch über die Existenz böser Geister und Gottes.
Von Simon Probst.